Chronologie

(zusammengestellt von Ernst Kafka)

Noch bis zum 18. Jahrhundert, so wird berichtet, sei die Gegend zwischen Lichtenthal und Freudenstadt, zwischen Hornisgrinde und Murg ein Urwald gewesen, in dem Wölfe, Bären und Luchse hausten. Der Wildbestand des Nordschwarzwald wurde überhaupt als mannigfach und bedeutend gerühmt. Tatsächlich war der Nordschwarzwald im 19. Jhd. Hauptjagdgebiet auf den balzenden Auerhahn sowohl für den badischen, wie auch den württembergischen Adel. Im 18. Jhd. erkannten dann Fürsten und Fürstbischöffe sowie aufkommende private Unternehmer, daß der „unerschöpfliche“ Holzvorrat des Nordschwarzwaldes noch besser, als bisher zu nutzen sei.

ImageWährend Chrisophel von Grimmelshausen, der Verfasser des Simplicius Simplicicimus im 17. Jhd. von „... einem wüsten Arabien, nichts als Fels und Tannenzapfen“ sprach, spricht der badische Oberforstrat Jägerschmid im 18. Jhd. vom Schwarzwald als einem „Holztreibhause, wie es vielleicht in keiner anderen Gegend Teutschlands ein ähnliches gebe“. Die Möglichkeiten für den Holztransport werden verbessert. Viele Schwarzwaldbäche wurden floßbar gemacht indem Schwallungen erstellt, Bachkorrekturen vorgenommen und weitere Floßeinrichtungen geschaffen wurden. Der Holzhandel und die Flößerei reichen jedoch bis ins Altertum zurück, gleichwohl in viel bescheidenerem Ausmaße. Die prosperierenden Städte am Rhein sowie das aufstrebende Vereinigte Königreich der Niederlande und die darin eingebundene Ostindische Companie benötigten riesige Holzmengen sowohl für den Schiffbau, wie auch zur Gründung der Städte in dem dort vorherrschenden morastigen Untergrund. Kinzig, Murg und Enz wurden so zu den wichtigsten Transportwegen für den Holzhandel im nördlichen Schwarzwald. Die auf dem Rhein, insbesondere bei Straßburg, zusammengestellten Flöße, die eine Breite von über 50 m und eine Länge bis zu 700 m erreichten, gleichsam schwimmenden Dörfern vergleichbar, auf denen teilweise bis zu 700 Menschen mitfuhren. Als sogenannte Oberlast wurden, außer gewaltigen Eichenstämmen, fast sämtliche im Schwarzwald vorhandenen oder hergestellten Güter zum Verkauf mitgeführt. Kienruß, Harz und Scheflerwaren, Holzkohle und Glasprodukte sowie lebendes Vieh, wie Ziegen und Hinterwälder Rinder waren begehrte Produkte in den am Rhein liegenden Städten.

ImageUm den Waldreichtum und dessen Produkte auch in den nicht floßbaren unzugänglichen Höhengebieten besser nutzen zu können wurden im ausgehenden 18. Jhd. und insbesondere im 19. Jhd. nach und nach befahrbare Wege errichtet. Saumpfade über welche Handel mit den am Rhein liegenden Städten betrieben wurde, gab es schon lange; auch von trostlosen und schlecht unterhaltenen Handelswegen quer durch den Nordschwarzwald wird berichtet. Wege die nur 8 bis 14 Fuß breit waren und nur mit Gabel- oder Lannenfuhrwerken mehr schlecht als recht befahren werden konnten. Lannenfuhrwerke waren Holzwagen an denen die Zugtiere, überwiegend Ochsen und Maultiere, nicht neben- sondern hintereinander gespannt wurden, manchmal zehn und mehr Tiere. Die meisten Wege, Straßen in unserem Sinn gab es noch nicht, bestanden aus teilweise knietiefem Schlamm und Dreck.

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Zwischen Offenburg und Emmendingen sollen im Jahre 1795 vierzig Güterfuhrwerke versunken sein; der Knecht des Posthalters von Friesenheim soll im Straßenschlamm erstickt sein. Über den Schwarzwald, von Straßburg, durch das Renchtal über Oppenau, Kniebis und der 1599 gegründeten Freudenstadt führte die historische Schwarzwaldhochstraße nach Vaihingen bei Stuttgart, die viel genutzte Hauptverbindung zwischen Paris, München und Wien. Das waldreiche undurchdringliche Höhengebiet des nördlichen Schwarzwald hingegen blieb lange Zeit Niemandsland.




vor 1922

Von Lichtenthal bei Baden-Baden führte ein grob geschotterter Fahrweg, großenteils nur als Holzabfuhrweg ausgebaut, entlang des Grobbaches über die Geroldsauer Wasserfälle zum Schwanenwasen und von da in steilen Serpentinen vorbei an der Bühler Höhe zum „Bletych“ und Sand weiter bis Hundseck.
Von Hundseck bis Unterstmatt war ein Fuß- bzw. Wanderweg vorhanden,der vom Schwarzwaldverein ‚Sektion Mannheim’ im Jahre 1897 hergestellt urde (Mannheimer Weg). Zwischen Unterstmatt und Horngass (Nähe jetzige Einmündung zur Straße nach Sasbachwalden über Breitenbrunnen) bestand nur ein sehr schmaler und kurvenreicher, aus einem Saumpfad hervorgegangener, teilweise schlecht geschotterter Holzabfuhr- bzw. Fahrweg. Von der Horngass führte ein etwas besserer Fahrweg (Holzabfuhrweg) über den Mummelsee, Seibels Eck, Wolfbrunnen zum Ruhestein. Die Streckenführung ist jedoch mit der heutigen Straßenführung nicht identisch.

01.Juni 1922

Eröffnung des Kraftpostbetriebes zwischen Bühl und den Höhenkurorten Sand, Bühlerhöhe, Oberer Plättig und Hundseck.

Dez. 1925

Am 07. Dezember 1925 beantragt die Stadt Bühl beim zuständigen Bezirksamt, eine Besprechung herbeizuführen, zur Planung und Herstellung einer Kraftwagenverbindungsstraße von Hundseck nach Unterstmatt.
In vielen langwierigen und zähen Verhandlungen, die immer wieder an den divergierenden Interessen der beteiligten Gremien zu scheitern drohten, wird der Straßenbau in der Versammlung vom 19. März 1930 endgültig beschlossen und die Auftragsarbeiten, die mit 190.000,-- RM veranschlagt wurden, unmittelbar danach vergeben.

08. Juli 1930

Erster Spatenstich zum Bau der Verbindungsstraße Hundseck - Unterstmatt.

08. Nov. 1930

Einweihung der Verbindungsstraße zwischen Hundseck und Unterstmatt nach nur viermonatiger Bauzeit und erstmalige offizielle Bezeichnung als Schwarzwaldhochstraße“

19.Okt. 1932

Ausbau der Anschlussstrecke Unterstmatt - Horngass - Mummelsee. Mit zu dieser Baumaßnahme gehörte eine Straßenführung vom Mummelsee zur Hornisgrinde zur bereits dort bestehenden Jugendherberge und zum Gasthaus „Hornisgrinde“. Die Kosten beliefen sich auf 410.000,-- RM, wovon 1/3 durch den Kreis Baden-Baden und 2/3 durch den Staat getragen wurden.

30. Juli 1933

Einweihung der Straße und Verkehrsübergabe sowie Übernahme in den Landstraßenverband.

1934

Ausbau der Strecke Mummelsee - Ruhestein. Hierbei wurde eine neue Streckenführung gewählt. Diese führte am Quellhorizont entlang, was straßenbaulich, aufgrund der auftretenden Wasserprobleme, eine große Herausforderung darstellte.
Hierbei waren größere Sprengmaßnahmen insbesondere beim ‚Dürrbaden’, der heutigen Abzweigung nach Seebach, erforderlich.
Die gesamte Strecke der Schwarzwaldhochstraße bestand aus einer Walzschotterdecke, die auf einer 30 cm starken Gestückunterlage aufgebracht war sowie einer Oberflächenteerung, da die Straße von Baden-Baden bis zum Ruhestein auch im Winter für den Kraftwagenverkehr offen gehalten werden sollte.

1937

Verbreiterung der sehr schmalen Strecke der Landstraße I. Ordnung zwischen Sand und Unterstmatt auf 6 m Breite.

1938 - 1939

Verbesserung der Straße zwischen Bühlerhöhe und Sand.

1938 - 1941

Bau des ‚strategischen’ Abschnittes der Schwarzwaldhochstraße zwischen Ruhestein und Alexanderschanze. Dieser Streckenabschnitt, der Bau wurde durch die Deutsche Wehrmacht in die Wege geleitet, führt durch das bereits seit 01.10.1938 bestehende Naturschutzgebiet ‚Schliffkopf’ und wurde erst in den Jahren 1951/1952 endgültig fertiggestellt. Bis 1941 war lediglich der Bereich Alexanderschanze - Schliffkopf ausgebaut, mit einer Teerdecke versehen und für Kraftfahrzeuge nutzbar. Die weitere Strecke zum Ruhestein war lediglich grob geschottert und nur eingeschränkt befahrbar. Während der Rückzugswirren wurde das Vogelskopfviadukt im April 1945 durch die Deutsche Wehrmacht teilweise heruntergesprengt und 1946 von der französischen Besatzung soweit hergerichtet, daß eine Holzabfuhr möglich war.

1950

2 km der Straße bei Unterstmatt verbreitert

1951

Wiederherstellung und Restausbau des Teilstücks der Schwarzwaldhochstraße vom Ruhestein zum Schliffkopf und Beseitigung der restlichen Sprengschäden am Vogelskopfviadukt.

1952

Die gesamte Schwarzwaldhochstraße ist von Baden-Baden bis Freudenstadt durchgehend befahrbar. In diesem Zusammenhang wurde der Forstweg Ruhestein - Allerheiligen zur Autostraße ausgebaut. Im selben Jahr wurde die Schwarzwaldhochstraße beim Kurhaus Sand begradigt und das Steigungsverhältnis verbessert.

1953

Eine 3,5 km lange Strecke der Schwarzwaldhochstraße zw. Sand und Unterstmatt wird mit einem Kostenaufwand von 300.000,-- DM auf 7,50 m Breite ausgebaut.

1954

Verbesserung der Linienführung und Verbreiterung der Schwarzwaldhochstraße zwischen Kurhaus Plättig und Kurhaus Sand.

1955

Die sehr gefährliche Serpentine mit engen Radien bei der Bühlerhöhe wird beseitigt und die Straße auf 7,50 m Breite ausgebaut.

1956

Eine ca. 1 km lange Strecke der Schwarzwaldhochstraße wird von Unterstmatt in Richtung Mummelsee auf 7,50 m Breite ausgebaut (Koten ca. 200,000,-- DM)

1957 - 1960

Fortsetzung des Ausbaues der Schwarzwaldhochstraße Richtung Mummelsee und Verbeiterung auf 7,50 m

1961

Behelfsmäßiger Ausbau der Fahrbahn zwischen Baden-Baden und Bühlerhöhe

1962

Beginn des Ausbaues der Schwarzwaldhochstraße zwischen Mummelsee und Ruhestein, der in Teilabschnitten erfolgte und sich bis ca. 1972 hinzog. Überwindung größerer Probleme in der Streckenführung und Umplanungen insbesondere im Bereich Dürrbaden bedingten die lange Bauzeit.